Therapie bei Demenz
Im neuro behandeln wir auch Menschen mit dementiellen Syndromen und mit Demenz. Die Demenz tritt nicht nur bei älternen Menschen auf, sondern kann bereits frühzeitig einsetzen. Wir unterscheiden je nach der diagnostizierten Form der Demenz, beispielsweise Morbus Alzheimer, Fronto-Temporale Demenz oder Parkinson Demenz. Entsprechend richten wir die Therapieschwerpunkte aus.
Die Arbeit der Physio- und Ergotherapeuten im neuro hat als Ziel, Ihre Mobilität sowie Ihre kognitiven Fähigkeiten so lange wie möglich zu erhalten. Wir arbeiten nicht nur mit Ihnen, sondern auch mit Ihren Angehörigen, spezialisierten Kliniken in München und der Rosenheimer Umgebung sowie und Tagespflege - und Pflegediensten eng zusammen.
Forschungsergebnisse zeigen, dass regelmäßige Therapie, Hirnleistungstraining am PC, den Verlauf der Demenz hinauszögern kann.
Kognition
"Cognitio" bedeutet "Erkennen". Um Erkennen zu können, bedarf es vieler Fähigkeiten und ein ausgewogenes Zusammenspiel Ihres Gehirns. Wenn dieses Zusammenspiel durch eine Erkrankung eingeschränkt ist, leidet nicht nur das Gedächtnis. Kognitive Funktionen sind z.B.:
Gedächtnis und Merkfähigkeit, Sprache, visuelle Wahrnehmung, abstraktes und logisches Denken, Aufmerksamkeit und -steuerung, Handlungsplanung, Problemlösung und auch Impulskontrolle. Außerdem alle Formen der Orientierung. Orientierung zur Zeit, des Umfeldes (Ort) und der Person. Des Weiteren die Reizleitung bzw. Reaktionsgeschwindigkeit sowie unsere Kulturtechniken (Lesen, Rechnen, Schreiben). Die Demenz hat auch Auswirkungen auf den Antrieb, die Motivation, die Selbststeuerung und emotionale Selbstkontrolle.
Schwerpunkte in der Physiotherapie
Die vorrangige Aufgabe der Physiotherapie ist es, Ihre Bewegungssicherheit solange wie möglich zu erhalten. Mobilität und Aktivität sind eng miteinander verknüpft. Gehen Sie sicher, dann trauen Sie sich einkaufen zu gehen, im Garten die Blumen zu schneiden oder ähnliche Aktivitäten durchzuführen. Sobald Ihre Gangsicherheit nachlässt, wird sich Ihr Aktionsradius immer geringer. Deshalb arbeiten wir u.a. an:
Sturzprophylaxe,
Gleichgewichtstraining
Gangtraining mit und ohne Hilfsmittel
Double Task - Training, z.B. Gehen und dabei Aufgaben erfüllen
Transfertraining - Aufstehen vom Boden, umsetzen
Krafttraining
Schwerpunkte in der Ergotherapie
Unser vorrangiges Ziel ist der Erhalt der kognitiven Funktionen, insbesondere des Gedächtnisses - solange wie möglich.
Bevor wir mit der eigentlichen Therapie beginnen, starten wir mit einer Diagnostik. Dabei verwenden wir das "Montreal Cognitive Assessment", (MoCA) und den PANDA. Das MoCA gibt uns und Ihnen Aufschluss darüber, wie sich die Demenz aktuell darstellt. Neben dem Gedächtnis werden auch sprachliche Fähigkeiten, visuelle Wahrnehmung und logisches Denken geprüft. Unsere Therapeuten haben die Zertifizierung für die Durchführung des Tests.
Der PANDA ist eine Demenztest für Menschen die an Parkinson erkrankt sind. Infolge von der Parkinsonerkrankung kann leider auch eine Demenz auftreten.
Die Ergotherapie im neuro bietet Ihnen
Professionelles Hirnleistungstraining am Computer. Die besonders große Tastatur unterstützt Sie in der selbstständigen Bedienung. Je nach Fähigkeiten stimmen wir die Arbeitsschwerpunkte mit Ihnen ab.
Kognitive Stimulationstherapie - neben der körperlichen Aktivierung, sprechen wir mit Ihnen über tagesaktuelle Ereignisse. Wir nutzen sensorische Angebote, um Ihre Sinneswahrnehmungen anzuregen, finden gemeinsame Aktivitäten, die sie motivieren und Ihnen Freude bereiten.
Biografiearbeit - Ihr Langzeitgedächtnis stellt einen großen Schatz dar. In der Biografiearbeit lassen sich Ihr Arbeitsleben, Ihre Reisen, Ihr Familienleben u.v.m. anhand eines Zeitstrahls, oder von Bildern darstellen.
Aktivitäten des täglichen Lebens - Körperpflege, Schönheitsplfege, Bürotätigkeiten, nähen, stricken... oder die Zubereitung von kleinen und größeren Gerichten. Wir erarbeiten es mit Ihnen. Damit Sie die Aktivitäten sicher durchführen können, arbeiten wir mit Bildserien, kurzen Textanleitungen und üben diese in der Therapie. Es wird immer Aufgaben geben, die Sie sicher übernehmen können.
Freizeitgestaltung und Spiele: wir besprechen mit Ihnen, welche Freizeitgestaltung für Sie angenehm und unterstützend ist. Welche Spiele können Sie mit Ihrer Familie, oder allein spielen und gleichzeitig Ihre gesitige Fitness unterstützen.
Beratung zur Integration im häuslichen und sozialen Umfeld - wir kommen einmal zu Ihnen nach Hause und besprechen mit Ihnen und Ihren Angehörigen Möglichkeiten, Ihr häusliches Umfeld so zu gestalten, dass es sicher für sie bleibt. Wir analysieren, welche Schwieirigkeiten es gibt und wie wir in der Therapie daran arbeiten können.
Angehörige - Wir sind für Sie da.
Im neuro arbeiten wir nicht nur mit dem "Patient", sondern wir bieten auch den Angehörigen die Möglichkeit für Gespräche und Beratung.
Gerade bei Demenzerkrankungen ist der Verlauf so unberechenbar und die Veränderungen in der Persönlichkeit des Menschen so gravierend. Das ist für Alle, Patienten und Angehörige sehr belastend. Die Demenz verändert nicht nur die identität der Person, sondern führt auch dazu, dass enge Familienmitglieder nicht mehr erkannt werden, Abläufe nicht eingehalten werden oder ein völlig unerwartetes Verhalten auftritt.
Was können Sie tun? Handeln Sie miteinander, und sorgen Sie vor.
Sprechen Sie frühzeitig in der Familie darüber, wie Sie sich die kommende Zeit vorstellen und welche Maßnahmen Sie ergreifen können, wenn es schwieriger wird.
Suchen Sie frühzeitig nach einer Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz in Ihrer näheren Umgebung und melden Sie sich/ Ihren Angehörigen an. Die Wartezeiten auf einen Beteuungsplatz sind unter Umständen sehr lang.
Suchen Sie frühzeitig Kontakt zu Pflegediensten, lernen Sie sich kennen. Je wohler Sie sich mit den Pflegern*innen fühlen, um so leichter ist es, sich beim Duschen helfen zu lassen.
Bleiben Sie geduldig. Das ist sicher die größte Aufgabe.
Holen Sie sich als Angehörige unbedingt Hilfe. Sorgen Sie für Ihre eigene Freizeit und Erholung.
Zeitplanung
Ein Kalender reicht. Groß und an einem gut einsehbaren Ort plaziert. Menschen mit Demenz neigen dazu, mit mehreren Kalendern zu arbeiten, weil sie nichts vergessen wollen. Das ist aber nicht hilfreich. Als Angehöriger räumen sie veraltete Kalender weg, oder wenn es zu viele sind, misten Sie aus. Sorgen Sie dafür, dass immer sichtbar ist, welcher Tag und welches Jahr wir haben.
Termine
Menschen, die eine Demenz haben, sind immer weniger in der Lage die Uhrzeit anhand der Zeigerstellung zu erfassen. Stellen Sie eine digitale Uhr auf. Im Verlauf benötigt die Person aber trotzdem Unterstützung von Ihnen, da Zeitbegriffe wie "morgens", "mittags" oder "abends" an Bedeutung verlieren. Oftmals sind Menschen mit Demenz schon Stunden vor dem eigentlichen Termin fertig. Das Zeitgefühl dafür, wie lange noch Zeit bis zur Abfahrt ist, oder wie lange man braucht um sich anzuziehen, verschwindet. Der Wunsch fertig zu sein, alles richtig zu machen und vor allem, nicht aufzufallen, bleibt aber lange bestehen.
Ordnung
Bei einer Demenzerkrankung verwandelt sich der bisher ordentlichste Mensch in einen Unordentlichen. Weil Ordnung, Handlungsplanung und Organisation verlangt. Für Organisation benötige ich einen Überblick und ein Arbeitsgedächtnis. Das Arbeitsgedächtnis speichert die aktuellen Vorhaben, Handlungen und Ziele. Das Arbeitsgedächtnis stellt, vereinfacht, einen Speicher für kurzfristige Aktionen dar. Z.B. wollen Sie das Frühstück zubereiten und sie wissen, wieviele Teller schon auf dem Tisch stehen, ob Sie das Besteck bereits dazugelegt haben oder nicht. Bei einer Demenzerkrankung sind diese alltäglichen Abläufe zunehmend beeinträchtigt. Deshalb liegt plötzlich überall Wäsche herum. Sie wird vergessen, oder die Schublade für die Socken wird nicht gefunden. Objekte werden anders verwendet, als gedacht. Ein Pullover wird zu einem Schal.
Jetzt sind Sie als Angehöriger gefragt. Räumen Sie auf. Machen Sie Fotos und kleben diese auf die Schubladen oder Schranktüren. Eine Weile wird das den an Demenzerkrankten Menschen helfen. Misten Sie aus. Entscheiden Sie, welche Kleidung leicht anzuziehen ist, welche bequem und auch schick. Packen Sie den Rest weg.
Kommunikation
Häufig treten bei Demenz sogenannte "Wortfindungsstörungen" auf. "Verraten" Sie als Angehöriger das fehlende Wort nicht. Geben Sie stattdessen Hinweise, das unterstützt den Abruf.
Je weiter die Demenz fortschreitet, um so wichtiger ist es, in kurzen und klaren Sätzen zu sprechen. Sie verlassen die Praxis. " Komm, wir gehen zum Auto". Sie wollen nach rechts? "Komm mit mir, wir gehen rechts/ hier lang zum Auto". Vermeiden Sie unklare Aussagen, wie z.B. "das lang ist es besser". Vermeiden Sie unbedingt Ironie und Sarkasmus, da dies evtl. nicht mehr verstanden wird und nur die Unsicherheit verstärkt.
An- und Ausziehen, Körperpflege
Menschen mit Demenz haben häufig Probleme mit dem An-/Ausziehen von Kleidungsstücken, wie BH´s, Hosen, Pullovern oder Jacken. Manchmal ist es der Verschluss, der Schwierigkeiten bereitet, manchmal weiß die Person nicht mehr, wie sie die Hose anziehen soll. Gelegentlich werden Kleidungsstücke gewählt die weder dem Anlass noch dem Wetter entsprechen. Ordnen Sie den Kleiderschrank.
Da das Zeitgefühl und Kurzzeitgedächtnis schwindet, wissen Menschen mit Demenz oft nicht mehr, dass sie duschen müssen, oder wann sie das letzte Mal geduscht haben. Sorgen Sie als Angehöriger für feste Duschzeiten, ggf. gemeinsam mit einem Pflegedienst. Bleiben Sie dabei, wenn sich die Person morgens die Zähne putzt, oder bereiten Sie die Zahnbürste gemeinsam vor.